Bei dieser Seite handelt es sich um einen Auszug aus unserer Feuerwehrchronik. Unsere Ortschronistin, Frau Monika Heimer, hat recherchiert, alte Kameraden befragt und von ihnen auch Bilder gesammelt. Schließlich hat sie alles in der zeitlich richtigen Folge zusammengestellt. Zum Fest unseres hundertjährigen Bestehens war das Werk vollbracht und das Wesentliche wurde in auch in die Festschrift aufgenommen. Dafür möchten wir uns bei ihr und allen, die mitgeholfen haben, herzlich bedanken.
Ich habe mich bemüht, die wichtigsten Ereignisse und die schönsten Bilder auf unserer Homepage einzubauen. Auf Grund der vielen, zum Teil in hoher Auflösung gescannten Bilder, dauert das Laden der Seite ziemlich lange. Ich bitte dafür um Verständnis. Die Geduld wird sich lohnen!

Thomas Naumann




Unsere Tradition


Gemäß der Feuerlöschordnung vom 7. März 1782 und der vom 12. Januar 1880, beide herausgegeben vom herzoglichen Landratsamt zu Altenburg, war jedes männliche Gemeindemitglied mit vollendetem 18. Lebensjahr, sofern es im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte war, persönlich zum Dienst in der Rotte der Feuerlöschmannschaft verpflichtet. Krankheit und Untauglichkeit mußten auf Anforderung ärztlich bescheinigt werden.

Feuerrotte Langenleuba-Niederhain
Ein Schild aus dieser Zeit, damals vielleicht an der Feuerspritze angebracht ...


1851 war die Feuerspritze reparaturbedürftig und mußte überholt werden. Untergebracht war sie im Spritzenhaus unterhalb der Nikolaikirche.

Am 1. Oktober 1899 wurde schließlich die Freiwillige Feuerwehr Langenleuba-Niederhain gegründet.
Unter dem Kommandanten - Schuhmachermeister Vogel - dienten damals 50 aktive Mitglieder.
Sie bildeten zwei Abteilungen mit acht Steigern und 42 Kameraden der Spritzenmannschaft.
Dazu kamen noch drei Ehrenmitglieder.


Statistik Titel

Statistik


Im Jahre 1902 erhielt die Freiwillige Feuerwehr eine zweite Feuerspritze. Sie wurde im Spritzenhaus zwischen dem Rittergut und dem Halben Schloß stationiert.

Am 12. und 13. August 1911 fand in Langenleuba-Niederhain der Verbandstag der Sachsen-Altenburger Feuerwehren statt.
Abgeordnete von 42 Pflicht- und Freiwilligen Feuerwehren trafen sich zum Festkommers und zur Hauptversammlung im Saale des Kießhauerschen Gasthofes. Zum Programm gehörte außerdem


Verbandstag


Das Kommando der FFw beschloß am 1. Juni 1912 das Statut der Freiwilligen Feuerwehr Langenleuba-Niederhain.
Darin steht in

§ 1:

"Zweck der Feuerwehr ist, bei einem hier und eine Stunde im Umkreis ausgebrochenen Feuer den Einwohnern durch Löschen und Retten hilfebringend zur Seite zu stehen. Die Mitglieder machen sich die strengste und gewissenhafteste Erfüllung der übernommenen Dienstplicht und unweigerliche Befolgung der gegebenen Instruktionen und Befehle Ihrer Führer zur Pflicht."


Da es im Ort relativ häufig zu Bränden kam, wurde am 24. November 1923 ein Brandschadenunterstützungsverein gegründet, welcher am 21. Februar 1925 auf die Mitglieder der "Vereinigung der Landwirte" ausgedehnt wurde.

Am 13. und 14. September 1924 feierte die Freiwillige Feuerwehr ihr 25jähriges Bestehen.

FFw 1924


Die Wehr umfaßte zu dieser Zeit 40 uniformierte Aktive. Bei stattfindenden Umzügen konnte man sogar auf drei eigene Trommler zurückgreifen und war nicht auf fremde Unterstützung angewiesen.

Einen historischen Fortschritt machten die Kameraden, als ihnen 1926 eine Motorspritze im Wert von 2300 Reichsmark übergeben wurde. Das Ministerium in Weimar beteiligte sich mit einem Zuschuß von 1000 Reichsmark an den Kosten.
Außerdem erhielt die Feuerwehr noch 210 Meter Spritzenschlauch, da es sich bei Übungen herausgestellt hatte, daß weitab liegende Brandobjekte nicht bekämpft werden konnten.
Im gleichen Jahr beantragte die Wehr bei der Gemeindebehörde die Anschaffung eines Mannschaftswagens.
Dieser Antrag wurde jedoch zurückgestellt. Auch die Instandsetzung des unteren Spritzenhauses wurde beantragt.

Am 13. September 1936 gab sich die FFw eine neue Satzung. Sie wurde unterschrieben von

Am 24. Mai 1937 wurde diese notariell beglaubigt.

Auf der Vollversammlung am 29. Mai 1937 wurde die Gründung eines Feuerwehrvereines beschlossen.
Am 1.6.1937 erfolgte die Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht Altenburg / Registergericht unter Nr. VR 161.
Bei selbigem Gericht wurde am 10. April 1940 diese Eintragung gemacht:
"Auf Grund der der 3. DVO (Durchführungsverordnung) zum Gesetz über das Feuerwehrwesen vom 24. Oktober 1939 ist mit Wirkung vom 27. November der Verein gelöst.
Das Vereinsvermögen geht mit allen Rechten und Pflichten ohne Liquidation auf die Gemeinde über."

Nach dem zweiten Weltkrieg, dem viele Kameraden zum Opfer fielen, ging es auch mit der FFw Langenleuba-Niederhain wieder aufwärts. Mit viel Elan und Eigeninitiative bauten die Feuerwehrleute 1952 unter Leitung ihres Wehrleiters Alfred Heimer ein neues Gerätehaus links vom Eingang zum Halben Schloß.

Gerätehaus 1952

Das Halbe Schloß im Hintergrund des Bildes diente übrigens bis 1965 als Schule.

Spektakuläre Einsätze waren in dieser Zeit:

Das Hochwasser vom 11.Juli 1954

Hochwasser 54

Hochwasser 54

Der überflutete Garten der "Straßenmühle" Otto von der alten Wierabrücke aus gesehen


Hochwasser54

Hochwasser54

Die aufgewühlte Altenburger Straße vor dem Grundstück der Familie Terpe


Hochwasser54

Blick von der Brücke an der ehemaligen "Leinmühle" am Hain zu den Häusern (ehemals) Schönfeld und Dietze in der Wierastraße


Der Sturm vom 15. Januar 1955

In der Nacht vom 15. zum 16. Januar tobte ein ein Gewitter mit einem gewaltigen Sturm über dem Altenburger Land. Die Fernverkehrsstraße - damals F 180 - mußte in Altenburg in der Münsaer Straße wegen entwurzelter Bäume voll gesperrt werden. Die schwersten Schäden entstanden jedoch im Leinawald.

Sturm im Leinawald

Das freut den Borkenkäfer!


Etwa 25.000 Festmeter Bäume fielen dem Unwetter zum Opfer. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Langenleuba-Niederhain und aller anderen betroffenen Wehren hatten alle Hände voll zu tun, um die entstandenen Schäden so schnell wie möglich zu beseitigen.

Jede Menge Bruchholz...


Sowjetische Soldaten von der Altenburger und Nobitzer Garnison unterstützten die Feuerwehrleute bei den Aufräumungsarbeiten.

Am Anfang des Jahres 1961 wurde die Wehr nach der "Sonneberger Methode" in Brigaden aufgeteilt. Von Februar 1960 bis Ende Juni 1964 war Horst Wolf Leiter der Wehr.
Zu den Aufgaben der Feuerwehr gehörte schon immer auch der vorbeugende Brandschutz. So wurden im ersten Quartal 1961 in 60 Wohnungen eine Brandschutzkontrolle durchgeführt. Dabei wurden 43 Mängel festgestellt. Da im zweiten Quartal etliche Kameraden zum Wehrdienst bzw. auf Montage gingen, war nicht mehr so eine intensive Arbeit möglich. Dennoch wurden 21 Wohnungen kontrolliert und zehn Mängel sofort abgestellt.
In der LPG wurden die in einigen Objekten festgestellten Mängel jedoch nicht behoben. Kommentar des LPG-Vorsitzenden: "Ihr könnt uns in der Ernte keine Vorschriften machen. Kommt lieber früh um vier zum Kuhstallmisten!"

Zum Feuerwehrleben gehörten seit jeher auch Wettkämpfe. Seit vielen Jahren ist dabei der Löschangriff die beliebteste Variante und wird im Wieratal wie auch im angrenzenden Sachsen als Pokallauf ausgetragen.

Die Vorbereitung...

Für den Aufbau der Technik gab es schon immer genaue Regeln...

...und los!

...wie auch für den Angriff selbst. Nach Wasserentnahme aus "offenem Gewässer" und 100 Meter Schlauchstrecke müssen zwei Strahlrohre je ein Objekt bekämpfen. Gewertet wird die Zeit bis zur Erfüllung des Auftrages.


Im Herbst 1959 feierte die FFw Langenleuba-Niederhain ihr 60jähriges Bestehen, u.a. mit einem großen Festumzug.

Handdruckspritze

Mit dabei war u.a. die alte Niederhainer Handdruckspritze von der Fa. Brauer & Lucke, Altenburg.
Leider wurde das gute Stück in den sechziger Jahren zur Schrottgewinnung zerlegt.

Am 1.Juli 1964 übernahm Johannes Mädler die Funktion als Wehrleiter und erfüllte diese Aufgabe mehr als 36 Jahre, bis er aus Altersgründen (nur wegen der Thüringer Feuerwehr-Organisationsverordnung!!!) im Oktober 2000 ausscheiden mußte. Er wurde bereits 1999 zum Ehrenkommandanten ernannt.

Ein großer Tag für die Kameraden war der 24. Juli 1965.
Vertreter des Rates des Kreises Altenburg, Abteilung Feuerwehr übergaben dem Rat der Gemeinde ein neues Löschfahrzeug vom Typ LO im Wert von 55.000 Mark der Deutschen Notenbank für die Freiwillige Feuerwehr.
Es war mit allen erforderlichen und für die damalige Zeit modernen Geräten ausgestattet.

Das neue Löschfahrzeug...

...und die stolze Mannschaft

Damit wurde die Einsatzbereitschaft bedeutend erhöht. Bis dahin war die Wehr lediglich mit einem Tragkraftspritzen-Anhänger bestückt, welcher von einem privaten Pkw gezogen wurde.

1984 kam es im Leinawald, in der Nähe des Flugplatzes, zu einem großen Waldbrand. Zwei Tage lang waren die Feuerwehrleute im Einsatz. Durch im Boden liegende Munition, welche durch die Hitze explodierte, wurde Kamerad Werner Görke schwer verletzt. Trotzdem leistete er nach seiner Genesung noch viele Jahre aktiven Feuerwehrdienst. Er wurde 1999 zum Ehrenmitglied ernannt.

Das 90jährige Jubiläum im Jahr der Wende wurde mit einer Festsitzung im Gasthof Lohma gefeiert. Neben Auszeichnungen und Beförderungen kam auch das gesellige Beisammensein nicht zu kurz, wozu das obligatorische Hundertliterfaß Altenburger Bier vom Bürgermeister einen wertvollen Beitrag leistete.

Pokallauf
Auch wenn es anders aussieht: Gespritzt wird hier mit Wasser...

Natürlich gehörte auch ein Pokallauf der Feuerwehren des Wieratales zum Programm.
Die Altenburger Feuerwehr führte als Schauübung einen Löschangriff über Drehleiter auf das Halbe Schloß vor und demonstrierte den Einsatz eins Sprungretters.
Schließlich feierte man noch mit dem ganzen Dorf auf dem Sportplatz. Da es dort an einer Bühne für die Kapelle mangelte, holte Kamerad Hermann Heimer, der als Fernfahrer arbeitete, ruck-zuck seinen Anhänger. Er stellte ihn hin, entfernte die Planen und das Fest war gerettet.

Die nächsten zehn Jahre brachten viele Veränderungen. Das hatte natürlich auch Auswirkungen auf die Arbeit der Feuerwehr. Die Einsatztätigkeit verlagerte sich schwerpunktmäßig auf die technische Hilfeleistung, was hauptsächlich der Zunahme des Straßenverkehrs geschuldet war. Seit sich die Sowjetarmee aus Deutschland zurückgezogen hat, gab es bis heute nur einen kleineren Waldbrand. Die Leina wurde wegen der Munitionsfunde zunächst komplett für Feuerwehreinsätze gesperrt. Inzwischen sind nur noch einzelne munitionsverseuchte Flächen ausgewiesen, in denen keine Einsätze durchgeführt werden dürfen. Den Feuerwehrleuten bleibt der Gewissenskonflikt zwischen Verbot und Hilfeleistungspflicht.

Etliche Kameraden verloren hier ihre Arbeit und zogen weg. Viele Kameraden schieden aus Altersgründen aus dem aktiven Dienst aus. Nachwuchs gibt es nur wenig, und auch dieser muß schließlich irgendwo eine Lehr- oder Arbeitstelle finden. Unsere Hoffnung ist die Jugendfeuerwehr.

Im Jahre 1999 war es dann endlich soweit:


Wir wurden 100 Jahre alt.


Der Bedeutung des Ereignisses entsprechend wurde auch gefeiert:

Das Dorf- und Vereinsfest war ganz dem 100jährigen Bestehen der FFw und dem 50jährigen des Sportvereins gewidmet.
Auf der Festveranstaltung in der Straßenschenke wurde die verantwortungsvollen Arbeit der Kameraden gewürdigt. Es erfolgten Auszeichnungen mit der Brandschutzmedallie für langjährige Tätigkeit und die Ernennungen zum Ehrenkommandanten für Kamerad Johannes Mädler und zum Ehrenmitglied für Kamerad Werner Görke.

Doch der Höhepunkt der Veranstaltung war die Übergabe der Feuerwehrfahne an die Kameraden.



Außerdem erhielten sie zehn neue Einsatzjacken nach der neuen "HUPF-Norm".

Bei einem großen Umzug vom Ortseingang zum Sportplatz präsentierten sich die Niederhainer mit ihren Gästen von den umliegenden Feuerwehren und der Partnerfeuerwehr mit ihrer - teilweise historischen - Technik sowie die Sportler und Gewerbetreibenden des Ortes und der Region.

Ein Skatturnier, Radballwettkämpfe und mehrere Fußballspiele sowie Tanzveranstaltungen rundeten das Progamm ab.


Egal was die Zukunft bringt. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Langenleuba-Niederhain werden immer treu zu ihrer Verpflichtung stehen:

GOTT ZUR EHR - DEM NÄCHSTEN ZUR WEHR!